Ich hatte einen Traum

Ich habe letzte Nacht geträumt, dass ich im Garten meiner Eltern sitze, am Tisch unter der Pergola, rund herum Familie, Bruder, Schwester, Schwägerin, Nichten, Neffe usw. wie immer, im Sommer, wenn gegrillt wurde. Ich sitze mit Blick zum Garten und links vor mir stehen im Gras zwei Reihen mit ein paar alten verwitterten Grabsteinen. Solche, wie bei mir um die Ecke, in der kleinen Parkanlage, die einen historischen Friedhof beherbergt. Ich sage: „Opa hat mir einen der Grabsteine hinterlassen, damit ich dort beerdigt werden kann“. Ich stehe auf, gehe hin. Sofort lauter Protest von meinem Bruder und meiner Schwägerin: „Das stimmt nicht, das geht nicht, das gehört alles ihnen“. Ich bin wütend und sage:“ Nein, es steht doch in seinem Testament, das Grab gehört mir!“ Und sie erwidern: „Zeig doch, wo ist das Testament, du hast es doch gar nicht, beweis es doch!“ Ich sage: „Aber ich muss doch irgendwo meine Leiche begraben, sie liegt seit Monaten da, ich muss sie doch beerdigen“. Ich gehe zu meinem Vater, der noch am Tisch sitzt und sehe ihn an, er sagt:“ Regelt das unter euch, ich halte mich da raus“. Meine Schwester sitzt am Tisch und schaut woanders hin, beschäftigt sich mit ihrem Handy. Ich fühle mich wütend, hilflos und alleine gelassen. Und wache auf.

Und das beschreibt die letzten zwei Jahre, die ich mit meiner Familie erlebt habe, absolut präzise.

Ich denke gar nicht mehr oft an sie und bin auch nicht wütend. Aber ich beobachte verwundert Prozesse, die in mir geschehen. Heilung ist ein oft abgenutztes, hohles Wort, aber hier passt es. Ich habe das Gefühl, dass schon in meiner Kindheit solche tiefen Wunden in mich gerissen wurden, dass ich nur verletzt und verstümmelt aufwachsen durfte. Und wann immer ich als Erwachsene Kontakt hatte zu La Familia wurden die Wunden wieder aufgerissen, jedesmal. Und zum ersten Mal in meinem Leben tauchen jetzt plötzlich Augenblicke auf, in denen ich ganz verwundert feststelle, wie GANZ ich mich fühle, ohne Widersprüche, gefestigt, klar, ruhig. Da ist zum ersten Mal ein Fels in mir, mein Selbst, langsam immer unerschütterlicher. Die Wunden heilen, werden zu Narben, die Narben werden kleiner und verblassen. Wie gut sich das anfühlt.

Von Psychologen wird dir oft geraten noch eine Brücke zu lassen, nicht den Kontakt ganz aufzugeben. Man würde das sicher bereuen. Nach meiner Erfahrung kann ich nur ermutigen, sich von Menschen zu trennen, die dir nicht wohlwollend gegenüber stehen. In dessen Gegenwart du dich immer verunsichert oder schlecht fühlst oder du das Gefühl hast, du müsstest dich verteidigen.

Jeder wünscht sich eine liebevolle Familie, aber wenn du keine hast, dann ist das so. Da lässt sich nichts dran ändern. Sei dir selbst deine liebevolle Familie und kümmere dich um dich. Du bist nicht verantwortlich für diese anderen Menschen, sie sind für sich selbst verantwortlich und ernten, was säen. Du kannst es anders machen.

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