Zombie-Yoga

nennt der beste Ehemann von allen das, was ich seit zwei Wochen jeden Morgen für 10 Minuten im Wohnzimmer versuche. Ein Fuß vorne, einer hinten hebt sich mein Arm ruckweise schräg über meinen Kopf, begleitet von guturalen Lauten… Uuuuaaaahhhh

zombie_900Warum?

Damit ich aufwache!

Ich schlafe und schlafe und schlafe jetzt seit Wochen. Seitdem ich aus dem Urlaub wieder zurück bin, quäle ich mich durch meine Arbeit mit dem schlechten Gewissen, nicht annähernd zu genügen, immer mit laufender Nase und schweren Kopf, unterbrochen von einwöchigen Krankschreibungen wegen starker Erkältung, in denen ich dann nicht den halben, sondern den ganzen Tag schlafe.

In den letzten zwei Wochen bin ich meine Nasenspray-Sucht Herr geworden, aber nur weil mein Mann mir erzählt hat, man kann von zuviel Spray eine Stinke-Nase bekommen 😉

Wach werden…

Ich hatte vor zwei Wochen ein Gespräch mit meinen Vorgesetzten und seitdem geht es langsam bergauf. Ich habe Anfang Januar endlich meine Erwerbsminderungsrente beantragt und gleichzeitig „gebeichtet“ dass ich meine Stundenzahl bei weitem nicht halten kann. Arbeite ich drei Stunden vormittags, liege ich nachmittags 4 Stunden auf dem Sofa und schlafe komaartig. Ich wache auf und draußen ist es dunkel. Ich wollte heute doch noch etwas machen – der Tag ist weg… So geht es jetzt seit Wochen.

Meine Vorgesetzten waren sehr sehr liebevoll und entgegenkommend, ich kann es nicht anders sagen. Ich habe meine Wünsche geäußert, wie und was ich gerne in Zukunft arbeiten möchte und sie bemühen sich mir eine maßgeschneiderte Extrawurst zu braten.

Und seitdem ich nicht mehr diesen Druck habe, meine Stundenzahl unbedingt irgendwie erfüllen zu müssen, weil da einige Leute einfach beide Augen zudrücken, geht es mir auch besser. Jetzt kämpfe ich mich langsam wie ein Bergsteigern cm für cm dem Licht entgegen. Erst mal mit Yoga und Meditation, so ganz vorsichtig- aber ich bereite mich  mental darauf vor, es nochmal mit dem Laufen zu probieren- Oho!

Eigentlich ist das alles so lachhaft lächerlich – aus gesunden Augen betrachtet. In meinen Augen gewöhne ich mich widerwillig daran meine Ziele immer niedriger zu stecken, bis ich irgenwann kriechend eins erreichen kann. Ich weiß nicht, ich fühl mich etwas verloren. Ich weiß nicht in welche Richtung es geht, bekomme ich meinen Körper noch mal ein bisschen hoch oder ist das verlorene Liebesmüh? Also, ich versuche das jetzt.

Im Übrigen steht ja auch noch gar nicht fest, ob ich meine Rente wirklich bewilligt bekomme. Im letzten Befund hat mein Arzt auf der Rückseite im Fließtext schön reingeschrieben, dass ich gerade Urlaub auf Hawaii gemacht habe 🙂 Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich hilfreich war 😉 Ich nehme an, das war das, was er noch am ehesten erinnern konnte, nach ein paar Tagen, neben „Es läuft“ 🙂 ich warte jetzt, dass ich vom Amtsarzt einbrufen werde, um ihm das zu erklären 🙂

Beim letzten Besuch hatte ich Dr. Piep nochmal ausführlicher meine Einschränkungen dargelegt, warum weiß ich gar nicht so genau. Wahrscheinlich, weil er mich immer fragt, wie es mir geht. Mein Arzt schaute mich dann ganz nett an und antwortete vorsichtig : „Sie wissen ja, das Ihre Krankheit nicht heilbar ist…“ Das war ganz freundlich für: Sie leben, sie stehen und gehen und können sich noch selber waschen, sie können sehen und hören und schmecken – alles andere ist Luxus. Jahaaa, ich weiß. Ja, ich weiß.

Reise Reise!

Das ist nicht nur ein Titel von Rammstein, sondern auch das althergebrachte Signal für Matrosen, dass es jetzt losgeht, im Sinne von Aufbruch. Also Reise, Reise im doppelten Sinne:

Natürlich müssen hier noch ein paar Fotos meiner tollen Reise rein:

Das war eine Reise, kein Urlaub, aber ein Abenteuer. Anstrengend, aber wunderbar. Das war mein Reise-Jahr.  Ich hatte noch durch meine Krankschreibung einige Wochen Resturlaub und ich habe mir ausgerechnet, dass ich in diesem Jahr sehr wahrscheinlich noch körperlich gut in der Lage bin zu verreisen. Das war dann im Rückblick doch eher nur bedingt so, letztendlich hatte ich einfach nur Glück, dass die neuen Metastasen und die Behandlungen immer schön zwischen meinen Reisen aufgetreten sind ;-). So! ich startete dieses Jahr im Januar mit Hamburg, machte weiter mit Barcelona zu Ostern, Zeeland über Pfingsten, Santorin und Oberstdorf im Sommer und schließlich Oahu, Maui und San Francisco im November 🙂 ganz schön Kilometer gemacht. Ich bin jetzt wirklich froh, erst mal einfach nur zuhause zu sein. Ich habe mein Konto komplett platt gemacht, so dass ich zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren mal wieder vor dem Geldautomaten stand und da kam nix raus 😮

Und darüber kann ich natürlich nur lachen, weil ich, machen wir uns nichts vor, einen besten Ehemann von allen habe, der genug verdient um mich im Notfall mitzuversorgen oder dreiviertel der Reisen bezahlen kann. Wäre ich alleine, dann hätte ich durch die Stundenreduzierung dieses Jahr mein Geldbeutel eng schnüren müssen. Angesicht der Aussichten ist mein Erspartes auch eher ein Notgroschen. Ich hab eben gedacht, ich hab noch 25 Jahre Zeit mehr anzusparen. Wenn man in meiner Situation alleine für das Haushaltseinkommen sorgen muss, dann hat man auch nur noch Sorgen. Das ist nicht das Erste, was man hört oder woran man denkt, aber Krebs geht ins Geld!

Reise Reise heißt es bald auch für meine Arbeitssituation. Ich hatte ja von der Beförderung geschrieben, von der schnell abgesehen wurde, nachdem klar wurde, dass eine 100 % Behinderung tatsächlich eine Einschränkung bedeutet. Ich bin dem Team in meiner Abteilung nicht böse, dass ich so schnell aus dem Rennen geworfen wurde, weil ich weiß, dass sie es wirklich nett meinen. Leider ist das bloß nicht immer gleich gut gemacht. Und ich denke weiterhin, dass man nicht Inklusion von den Fußsoldaten fordern kann und sich in der Chefetage darum drückt hier Vorbild zu sein. Aber um mich noch einmal für die Stelle ins Gespräch zu bringen, bräuchte ich Ermutigung von meiner Chefin und nicht das Gefühl, dass ich etwas beweisen muss. Druck. Ich habe mir Gedanken gemacht und mir die Kommentare als Denkanstöße genommen. Ich habe keine Lust mein Arbeitsleben mit einer Schonstelle zu beenden. Irgendwas Unwichtiges, wo es nicht schlimm ist, das ich fehle.  Ich war fantastisch gut in meinem Job, wahnsinnig erfolgreich, ich habe viel gegeben, ich hatte viel Freude bei der Arbeit und habe etwas aufgebaut. Jetzt kann ich die Arbeit nicht mehr machen. Seit Monaten rette ich mich mit Urlaub und alten Überstunden über die Tatsache hinweg, dass ich das Stundenpensum und die Belastung bei weitem nicht mehr tragen kann.

Ich habe mich entschlossen im Januar Rente zu beantragen. Mir kam die Idee, diesen Schritt nicht als Ende, sondern auch als Anfang zu betrachten. Ich mach jetzt was anderes und ich habe endlich Zeit dafür. Ich habe gar keine Bedenken, dass ich die Zeit nicht gefüllt bekomme, ich habe Ideen. Und ich würde auch gerne wieder ein paar wenige Stunden zurück zu meiner früheren Arbeitsstätte, in die Kita. Wieder mit Kindern lachen. Nach meinem Studium war ich dazu zu überqualifiziert. Am 18. Januar habe ich einen Termin mit der Chefin und der Chefinchefin. Jetzt wo ich die Entscheidung gefällt habe, freue ich mich drauf und verabschiede mich auch schon innerlich ziemlich schnell von meinem heißgeliebten Job.

Der beste Ehemann von allen musste auch erst mal schlucken und dachte ich meine es nicht ernst, denn ich habe immer wahnsinnig gerne gearbeitet. Und ich fand es schon gut, nicht unwesentlich zu verdienen und nicht abhängig zu sein. Aber es ist nur noch mühsam. Und ich bin jetzt definitiv von ihm finanziell abhängig. Dann hat er (natürlich) gesagt, mach einfach das, was für dich das Beste ist. So ist der Beste eben 😉

Die Reaktionen in meinem Umfeld sind wenig spektakulär. Ich persönlich finde eigentlich eine Verschlechterung meines Gesundheitszustandes innerhalb 18 Monate von nix zur Rente schon sensationell. aber offenbar haben die anderen das schon früher kommen sehen oder sie wollen sich  den Schreck nicht anmerken lassen. Also ich war schon erschrocken. Jetzt nicht mehr so sehr, nur noch manchmal und damit muss ich eben leben, Pech.

Aber so geht die ganze Geschichte ja die ganze Zeit ihren Weg, Stufe für Stufe geht’s bergab und man kann doch nur versuchen, das Beste draus zu machen. Ich jedenfalls, ich werde. Aber Hallo, werde ich meine Rente genießen!  Reise Reise

 

P.S. Ich bin kein Rammstein Fan, aber an alle: sehr zu empfehlen: „Heute hat die Welt Geburtstag“ von Flake. Tolles Buch, macht Spaß!

 

 

 

 

Aloha

So klingt Husten unter Palmen 🙂 Na gut, nicht ganz. Seit zwei Wochen weile ich im Südpazifik, letzte Woche auf Oahu, wie eigentlich die Insel heißt, die man mit Hawaii verbindet. Ganz klassisch am Waikiki Beach bei Honolulu und diese Woche auf Maui.Na gut, wenn sein muss, ein paar Bilder ( gähn, rekel)

😉 Jetzt bin ich hier und es ist wunderschön , es ist warm, es ist seit den 50ern die Zeit stehen geblieben und es gibt hier wirklich nur Eier und Pancakes zum Frühstück.

Das fühlt sich alles anders an, als ein“normaler“ Urlaub. Ich war schon 4 Wochen vorher fix und fertig, weil der Gedanke, diese Reise bewältigen zu müssen mir unmöglich schien. Wenn man gerne 2 Stunden ruhen möchten, nachdem man sich morgens schon erfolgreich geduscht und angezogen hat, wie kommt man dann auf den Gedanken um die Welt zu fliegen? Also eigentlich genauso, Schritt für Schritt, das geht schon. Und Schläfchen lassen sich doch unter Palmen viel besser halten als zuhaus. Ich scheine das leicht tropische Klima leider nicht gut zu vertragen, denn ich habe eine dicke Erkältung seitdem ich hier bin, aber auch das stört irgendwie weniger als man meinen sollte. Ich fühl mich so oder so nicht gesund, da machen Husten und Schnupfen den Braten auch nicht mehr fett 😉

Jedenfalls, jetzt bin ich hier. Es fühlt sich nicht wie Urlaub an. Ich bin jetzt einfach hier.

Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich mir vor meinem Urlaub ein wenig über meine bekannte Arbeitssituation und auch über hilfreiche Kommentare Gedanken gemacht habe.  Vielleicht fühlt sich das auch nicht wir Urlaub an, weil ich tatsächlich überlege, gar nicht mehr arbeiten zu gehen. Noch vor 2 Monaten hätte ich mir das nicht vorstellen können, aber Zustände und Realitäten ändern sich jetzt echt schnell. So schnell kannste gar nicht gucken und plötzlich sieht die Wahrheit ganz anders aus…

Morgen geht’s nach San Francisco. Ich vermisse meinen Pudel.

Rauf oder Runter?

Im Sommer habe ich geschrieben, dass ich wegen einer Beförderung angesprochen wurde, also eine Stelle innerhalb unserer Abteilung, die einen Aufstieg bedeutet. Jetzt im Herbst fanden die finalen Gespräche dazu statt, die mich dann doch haben nachdenklich werden lassen.

Anlass war eigentlich nur ein kleiner Spruch einer Mitarbeiterin aus der Abteilung wegen Elvis, dem Pudel. Sie kam mir am Tag des Gesprächs entgegen und meinte lapidar: „Na, da können wir ja bald alle unsere Hunde zur Arbeit mitbringen“. Verwirrtes Lächeln, Stirnrunzeln, Augenbrauen hochziehen meinerseits, dann habe ich mich auf den Weg zur Chefin gemacht.

Das Gespräch lief auch ganz gut und am Schluß wollte sie eben auch noch mal auf Elvis zu sprechen kommen. Ob ich den Hund den jeden Tag mitnehmen müsste. Es gäbe ja einige Hundebesitzer in der Abteilung und da wurde schon gesagt, das können aber doch nicht alle machen… Aha, Maus, ick hör dir trapsen 😉 Das ich ein bisschen Neid auslösen kann, hätte ich ja jetzt auch nicht mehr gedacht 🙂

Zuhause habe ich überlegt: Wenn meinen Kollegen nicht klar ist, warum Elvis der Pudel bei mir eingezogen ist und was bei mir anders ist, als bei ihnen, dann sind vielleicht auch einige andere Dinge nicht klar. Und dann streben wir vielleicht mit falschen Erwartungen und Vorstellungen eine andere Zusammenarbeit an. Und das wäre schlecht, für alle Beteiligten.

Deshalb habe ich eine ausführliche Mail geschrieben, um deutlich zu machen, dass man mir das nicht ansieht, wenn man mit mir eine Stunde im Raum an einem Tisch sitzt, aber dass:

  • ich inzwischen deutlich eingeschränkt bin in meiner Beweglichkeit, meiner Kraft und Ausdauer und in  meinem Konzentrationsvermögen.
  • dass es gute Tage und schlechte Tage gibt
  • dass die derzeitigen 25 Stunden Arbeitszeit nicht dazu dienen, damit ich einen freien Nachmittag genieße, sondern die absolute obere Leistungsgrenze für mich darstellen
  • dass ich mehr und längere Pausen benötige
  • dass Elvis immer bei mir ist und nur zur Ausnahme fremdbetreut werden kann, weil ich ihn zwingend tagsüber brauche um eine bessere Lebnsqualität zu erreichen

dass ich deshalb noch mehr Extrawürste einfordern werde und das Team sich dessen bewusst sein muss.

Darauf hin bekam ich einen netten Anruf, dass es doch besser sei, wenn ich diese Stelle nicht einnehmen würde, dass man etwas für mich finden würde, wo ich meinem Bedarf entsprechend arbeiten kann. Weil ich bei dieser Stelle eben auch mit anderen Abteilungen zusammen arbeiten würde. Die hätten dann vielleicht nicht so viel Verständnis, dann müsste meine Chefin sich immer rechtfertigen.

Ja.

Ich habe auch keine Lust darauf dass sich andere für mich rechtfertigen müssen. Ich habe auch keine Lust darauf, das meine Mitarbeit nicht als Bereicherung angesehen wird.

Ich denke gerade darüber nach.

Ob man behinderten und eingeschränkten Menschen den Aufstieg in Führungspositionen verweigern sollte, weil sie nicht das Leistungsniveau bringen, dass ein gesunder Mensch bringen (könnte). Wenn der Gesunde denn wirklich gut ist und ich ihn nicht in meinem Zustand noch locker in die Tasche stecken würde 😉 Ob ich das noch mal diskutieren soll, oder doch froh bin, keiner so hohen Anforderung ausgesetzt zu sein. Soll ich mich herausfordern? Jetzt noch? Oder das Zurücklehnen genießen?

 

 

We proudly present… Elvis!

Und hier ist er, wie versprochen, der hübscheste, klügste, liebste und tollste Zwergpudel der Welt. Elvis, neustes Mitglied in meinem palliativen Kompetenzteam!

Seit vier Wochen lebt Elvis jetzt mit mir und meinem Mann und hat mein Leben ganz schön durcheinandergewirbelt und es war nicht immer die reine Freude, aber notwendig. Er erfüllt seien Aufgabe sehr gewissenhaft.

In der ersten Woche bin ich zunächst an meine körperlichen Grenzen gestoßen. Ich gefühlt neunzigjährige wurde gezwungen einen Welpe 10 Mal am Tag drei Stockwerke Altbau hoch und runter zu tragen, wo ich mich selbst kaum dreimal am Tag die Treppe hoch kriege. Dem nicht genug. So richtig klar war mir wohl vorher nicht, was es bedeutet einen  Welpen wirklich 90 % des Tages durch die Gegend zu schleppen, in die U-Bahn rein und wieder raus, ins Büro und und und. Das war ein Bootcamp für mich, ein heftiges Workout den ganzen Tag, dass mich oft an meine Grenzen gebracht hat. Da stand ich dann schnaufend auf der Straße und dachte, keinen Meter mehr…..

In der zweiten Woche hat Elvis seine anfängliche Schüchternheit verloren, sich anscheinend sehr wohl gefühlt und sich gedacht, hier will ich Chef sein! Es folgte eine Woche der Dispute, da wir unterschiedlicher Meinung  waren, wie mit gefunden Schokocroissants auf der Straße, dem Anfressen von Kabeln und Fußleisten, der Dauer, bis das Futter endlich im Napf landet und vieles mehr umzugehen sei.

Das liebe Hündchen, dass mir Freund und Begleiter werden sollte, verwandelte sich in ein kleines knurrendes, zähnefletschendes nach mir schnappendes Mist-Wollknäuel.  So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Mitte der zweiten Woche habe ich wirklich gezweifelt, ob das nicht eine selten dumme Idee war, mir in meinem körperlich und psychisch sicher leicht labilen Zustand einen Welpen anzuschaffen. Aber was tun?

Zum Glück war ich vom ersten Tag  in der Hundeschule angemeldet. Nach ein paar Tipps durch das Training und dem Besuch der Sprechstunde, blutenden und zerbissenen Händen (Oh ja!) haben Elvis und ich schließlich in der dritten Woche zueinander gefunden. Es gibt immer noch eine Menge Dispute, aber von meiner Seite mehr Gelassenheit und Durchsetzungsfähigkeit. Erleichterung, dass es anderen auch nicht besser geht und Freude darüber, dass Elvis schon nach drei Wochen viel toller ist als alle anderen Hunde auf der Welt ist (selbstverständlich). 😉

Er trainiert mich tatsächlich sehr, ich kann meiner Müdigkeit jetzt nicht einfach mehr nachgeben, ich muss… Und er beschäftigt mich sehr, er ist immer bei mir, den ganzen Tag. Wenn ich auf die Bahn warte, grüble ich nicht, sondern spiele mit Elvis, wenn ich unterwegs bin, grüble ich nicht, sondern übe mit Elvis. Er ist nicht nur Ablenkung, er ist etwas, dass mich jetzt ausfüllen kann, ohne das es auf die Zukunft gerichtet ist.

Ich glaub doch das wird gut.

Achtung: Nachtrag vom 28. August

Hier kommt ein Nachtrag, der Beitrag sollte eigentlich vor dem Kaffeeklatsch

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veröffentlicht sein, ich dachte auch er wärs, aber ich habe ihn als neue Seite statt als neuen Beitrag erstellt. Auf diesen Artikel bezieht sich auch der erste Absatz von „Kaffeklatsch“. Deshalb, also wenn schondennschon ich mich selbst kritisiere, sollte ich eben den Anlaß öffentlich machen.

 

Hochzeiten und Beerdigungen

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Das sind die Impressionen von meinem Allgäu – Urlaub. Wunderschön dort! Die Berge haben mich ein bisschen auf Trab gebracht, ich war tatsächlich wandern, obwohl ich es mir vorher nicht zugetraut hätte. Durch die neuen Medikamente bin ich diesen Sommer nicht 40 sondern 90 geworden. Meine Knie sind schon voller Schrammen, weil ich mich andauern wegen mangelnder Körperspannung  und -kraft hinlege. Ich kann inzwischen ziemlich souverän auf den Bürgersteigen der Innenstadt mit blutenden Knien sitzen und gemütlich warten, bis mich ein Pflaster und eine helfende Hand erreicht 😉

Am Ende des Urlaubs fand dort die Hochzeit meines Cousins statt, so dass im Laufe des Urlaubs immer mehr Verwandschaft angereist ist. Ein Urlaub mit Familientreffen hat was!

Die Hochzeit war wirklich sehr gut überlegt und sorgfältig geplant. Gefeiert wurde ein ganzes Wochenende in einem Berghotel mit großer Terasse, jede Menge Kuchen und Braten, Reden und Singeinlagen, persönliche Geschenke, ausgelassene Tänze, kleine Gast-Beschäftigungs-Dinge. Schöne Braut und schöner Bräutigam, die zwei Tage der Welt mitteilten, das jetzt die neue gemeinsame Zukunft beginnt, eine glückliche Zeit mit Kindern, die kommen werden und vielen Abenteuern, die sie erwarten. Und es gab viele andere glückliche Familien, die auch alle gerade erst geheiratet und Kinder bekommen haben, Babys ohne Zahl und stillende Mütter und (noch) smarte Väter :-).

Und ich war schon ganz zufrieden mit mir, dass ich das ganze geballte Glück niemandem geneidet habe und allen das Beste gewünscht habe. Oder ist allein der Gedanke an sich schon entweder a) großkotzig oder b) doch nicht so großzügig, wie ich es sein möchte? Ach, es ist schwer ein guter Mensch zu sein…

Jetzt gibt es aber etwas was mich irritiert und nicht so richtig aus dem Kopf will, ich drehe und wende es:

Bei der Beerdigung meiner Kollegin vor meinem Urlaub, da wurde ich von vielen mitfühlend angesprochen, viele Kollegin legten mir beruhigend ihre Hand auf die Schulter und sagten mir: „Das muss für Sie ganz besonders schwer sein…“

Also ja, es war ganz besonders schwer. Während der Beerdigung musste ich mir mehrmals sagen, das hier ist nicht meine Beerdigung. Es war, als wäre sie mir vorausgegangen. Nur, ich wusste nicht, dass das auch alle anderen so empfanden. Und ich wollte es eigentlich auch nicht hören, denn ich wollte an diesem Tag Sabine die Ehre erweisen, es zumindestens versuchen. Es kam mir ganz unangemessen vor, dass dabei irgendjemand an mich denkt. Es war Sabines Beerdigung.

Und bei der Hochzeit hat mich niemand angesprochen, in zwei Tagen fiel keine Andeutung und kein Wort darüber. Dass ich totkrank bin, das wir vor ziemlich genau einem Jahr genauso vorne standen, nur schon wussten, das wahrscheinlich keine gemeinsame Zukunft auf uns wartet.

Ich denke auch nicht, das an Krebs Sterbende ein abendfüllendes Thema auf einer Hochzeit sein sollte, aber meine ganze Familie war doch zwei Tage mit mir da. Wenn ich nach Indien ausgewandert wäre, dann hätte mich doch alle gefragt, wie es ist und wie es mir geht. Wenn ich ein Baby bekommen hätte, mit einem Song berühmt geworden wäre, mir ein neus Auto gekauft hätte oder irgendetwas mein ganzes Leben bewegendes geschehen wäre, hätte da nicht irgendjemand gefragt? Haben sie gar nicht daran gedacht, oder sich nicht getraut oder gehört es sich nicht auf einer Hochzeit darüber zu sprechen? Ich weiß es nicht.

Und da gab es den Moment, ich hatte die Person lange nicht gesehen,  aber mehrmals Briefkontakt nach meiner Diagnose gehabt. Ich wollte mich dafür bedanken, sie sagt ja, schon gut und dreht sich weg, geht. Ich konnte gar nicht aussprechen.

Mir kam es vor, als wäre es verboten darüber zu sprechen. Jedenfalls gab es da keine Hand auf meiner Schulter oder der meines Mannes, die fragte: Ist dies hier eigentlich schwer für euch?

Ein bisschen, aber nicht so sehr,  aber danke für das Interesse und die Rücksicht und die Anerkennung unserer schwierigen Situation und das Wohlwollen.

Bähhh, Zunge rausstreck, leckt mich doch

P.S Morgen kommt Elvis!!!!!!!!!!!   🙂  🙂 🙂 🙂

 

Kaffeeklatsch mit Sterbenden

Es gab viel zu tun in den letzten Wochen, ein Welpe ist bei mir eingezogen, aber dazu in ein paar Tagen mehr 😉

Die Gedanken meines letzten Beitrages sind mir noch nach gegangen, ich habe überlegt, ob ich den Eintrag umschreiben soll oder nicht, aber ich lass es so stehen. Ist er wahrscheinlich ungerecht den Anderen gegenüber, mit einer Prise Selbstmitleid (Mimimimimi) und Selbstgerechtigkeit? Ja, na klar 🙂 Aber es ist die damalige Momentaufnahme und so kann ich eben auch schon mal sein und so kann ich eben auch schon mal empfinden.

Die Passagen, dass es schwierig ist, ein guter Mensch zu sein, meine ich aber nicht anklagend, sondern genauso wie sie da stehen. Es ist schwierig, anderen zu gönnen, andere zu lassen, Anteilnahme zu zeigen, wenn man vielleicht selbst auch ein Päckchen zu tragen hat. Ich habe mir schon vor der Erkrankung darüber Gedanken gemacht, aber jetzt werde ich eben besonders herausgefordert. In den letzten Wochen wurden gerade in meiner größeren Familie häufiger  Zukunftspläne geschmiedet, eine Familie zu gründen, zu heiraten, berufliche Wege zu planen. Und es fällt mir schon schwer zuzuhören und mich ganz vollkommen für den anderen zu freuen. Bis zu einem gewissen Punkt geht das noch gut, aber dann möchte ich es eigentlich nicht mehr hören, wie andere sich rosig ihre Zukunft ausmalen. Ich bleibe natürlich, ich höre zu, ich lächle, ich frage nach… Ausgeschlossen sein, das will ich ja auch nicht. Das alle verstummen, wenn man den Raum betritt, das die anderen das Gefühl haben nicht mehr frei reden zu können, wenn ich da bin, das geht auch nicht.

Es ist also ein Dilemma, manchmal ein verdammter Drahtseilakt die eigenen Gefühle auszutarieren und im Gleichgewicht zu halten.

Deswegen, und jetzt kommen wir auf den Titel zu sprechen, habe ich mir etwas überlegt 🙂

Ich werde ja auf eigenen Wunsch nicht von einem Psychoonkologen begleitet und ich habe keine Lust auf Selbsthilfegruppen in Kirchenkellern bei einer Tasse Tee die Tränen der anderen zu trocknen. Aber ich würde mich schon gerne mal mit anderen austauschen, die ebenfalls in meiner Lebenssituation sind. Und mein Thema ist nicht der Krebs, sondern früh sterben zu müssen.

Kaffeeklatsch für Sterbende

Hattest du eigentlich etwas anderes vor? Haus bauen, Kinder kriegen, Karriere machen, die Welt entdecken? Und dann die Diagnose einer lebensbegrenzenden Krankheit, Therapie: Palliativ!

Jetzt bleibt nur noch ein bisschen Zeit, ein paar Monate oder Jahre, aber keine Zukunft. 

Wie die noch verbleibende Zeit mit wenig Angst und viel Lebensfreude gestalten? Was verändert sich in den Beziehungen zu nahe stehenden Menschen ? Was ist jetzt noch wichtig und was nicht mehr? Diese Fragen beschäftigen mich und ich habe Lust mich mit anderen Betroffenen aus der Lebensmitte (ca. 30 bis 50 Jahre) darüber auszutauschen. 

Dies ist kein psychologisch begleitetes Angebot, nicht so richtig eine Selbsthilfegruppe, sondern ein Kaffeeklatsch mit Kaffee und Kuchen und einfach frei über Themen sprechen können, die manche scheuen.

So. Das ist der Text, mit dem ich kommende Woche beim Selbsthilfeservicebüro in unserer Stadt auflaufen will. Mal sehen, ob die mich in ihren Katalog aufnehmen. Klingt das ein bisschen wie aus dem Gaga-Land? Ich weiß nicht…

Noch ein paar Blitzlichter:

Im Augenblick geht es mir gut, wie seit der Diagnose nicht mehr. Im Moment ist in meinem Hirn tatsächlich nur Hirn. Keine Metastasen, keine Ödeme, kein Rest abgestorbenes Geweben, einfach nur Hirn und das spüre ich auch 🙂 Das Medikament schlägt an und hat deutlich weniger Nebenwirkungen als das davor und dank Welpe bin ich auch wieder ein bisschen in Bewegung gekommen und nicht mehr 90 sondern eher 70 Jahre alt 😉 Das bleibt nicht immer so, aber jetzt ist das so! Hurra

Ich habe im Sommer den Blog des leider bereits verstorbenen Dmitrij Panov „Sterben mit Swag“ gelesen.  Ich bin absolut vollkommen beeindruckt wie ein Mensch, und ein junger dazu, überhaupt mit so viel Würde und Mut sterben kann. Punkt.

Immer muss erst jemand meckern, bevor ich mich mal wieder dran setzte und einen Beitrag formuliere, den ich aber die ganze Zeit schon in meinem Kopf trage. Oder besser gesagt, eigentlich immer mehrere Beiträge, weil ich sie ja nicht einen nach dem anderen rechtzeitig zu Papier (oder zu Bildschirm) bringe. Danke dafür.