Ich bin wütend

Am Sonntag war mein großer Selbstmitleidstag. Und Wuttag. Scheiße.

Wegen dem Krebs? Ne, nicht so richtig…

Ich krieg mein Fett nicht weg.

Am Sonntagmorgen hatte ich 5 Tage Fasten hinter mir, 5 Tage keine Kohlenhydrate, nur diese Eiweißshakes. 5 Tage nichts zu beißen, 5 Tage Hunger. Das ist ist die „Turbophase“, denn: „ein hoher Gewichtsverlust zu Anfang motiviert zum weitermachen“. 5 Tage später und 200 g weniger habe ich eine mittlere Heulattacke im Badezimmer bekommen und musste erst mal 10 Minuten bitterlich weinen. Ich habe Krebs und werde daran sterben, aber weinen musste ich, weil ich das scheiß blöde Kortisonfett an mir klebt wie Kaugummi an der Schusohle. Das ist schon mächtig erbärmlich aber ich finde, wenn man schon Krebs hat, dann muss man doch nicht auch noch fett und hässlich dabei sein. Kann man aus dieser Kackkrankheit nicht irgendeinen winzigen kleinen Vorteil ziehen? Das ist doch scheiße!

So genug geschimpft.

Die 5 Wochen Kortison hängen mir noch nach und hängen mir noch in meinem Körper, machen meine Haut immer noch hässlich und sorgen dafür dass ich ein kleines medizinisches Wunder werde: dieser Körper braucht keine Nahrung mehr 😉 Da hilft kein Sport, kein Gemüse und kein Eiweißshake und kein Fasten.

Es gab mal eine Zeit, da hatte ich meinen Körper unter Kontrolle…

Jedenfalls kam dann auch mein Mann ins Badezimmer und an seiner Brust habe ich dann auch noch mal 10 Minuten geweint. Er fragte dann: „Ist es etwas spezielles oder allgemein alles ?“  🙂 :-).

Dann habe ich tapfer gesagt: “ So, wir machen jetzt unsere Radtour“ obwohl ich mich auch einfach nur heulend und selbsthassend für den Rest des Tages ins Bett legen wollte. Mit Pizza! Zum Frühstück! (5 Tage fasten, wir erinnern uns…) Ich war so wütend und so frustriert. Burger, Pommes, Sauerbraten, Lasagne…

Die Wut wurde nach ca. 30 km etwas kleiner und nach 40 km dann auch der Frust und nach 55 km und einer Laugenbrezel war es schon fast wieder gut. Bewegung und Kohlnhydrate heben die Laune ungemein.

Trotzdem! Das ist doch scheiße!

Reha

Ich habe im Februar eine Reha beantragt. Trotz der Gegenstimmen war ich neugierig. Öfter habe ich gehört, dass sogar Ärzte abgeraten haben, weil eine Reha so deprimierend sei. Wahrscheinlich weil man mit seiner eigenen Zukunft konfrontiert wird.

Wir, die noch ein wenig Zeit haben und uns nicht in einer akuten Chemotherapie befinden, wir sehen eigentlich ganz gut aus. Stadium 4 sieht man uns nicht an, Tumore und Metastasen sieht man uns nicht an, dass wir sterben werden, sieht man nicht. In der Reha begegnen wir dann wahrscheinlich Menschen, denen man es ansieht. So wie uns dann bald oder demnächst oder in naher oder entfernterer Zukunft.

So wie bei dem Patiententag will ich davor nicht weglaufen oder die Augen verschließen. Ich hatte gehofft, vor allem von dem psychoonkologischen Angebot zu profitieren, mich etwas konzentrierter mit meiner begrenzten Zeit auseinanderzusetzen. Ich habe mir die angebotenen Kliniken genau angesehen und zwei oder drei in die engere Auswahl genommen, die verschiedene psychologische Angebote hatten, gute Bewertungen hatten und an schönen Orten lagen.

Leider wollen alle zu den schönen Orten 😉 Wo komme ich hin? Nahe Gummersbach!

Das war jetzt wirklich die allerletzte Klinik auf meinem Ranking, hässlich, schlechte Bewertungen, nicht wirklich ein psychotherapeutisches Angebot. Wegen „der Schwere meines Leidens“ konnten die Zuständigen nicht verantworten, dass ich warte, bis an anderen Orten ein Platz frei wird. Deswegen wurde ich einer Klinik zugewiesen, die sofort einen Platz frei hat. Ja und warum hat diese Klinik wohl Plätze frei? 😉

Na, macht nichts… Zum Glück  kann ich es verantworten, trotz meines schweren Leidens, statt nach Gummersbach nach Barcelona zu fliegen und dort über Ostern ein paar schöne Tage zu verbringen. So komme ich doch noch ans Meer… 🙂