We proudly present… Elvis!

Und hier ist er, wie versprochen, der hübscheste, klügste, liebste und tollste Zwergpudel der Welt. Elvis, neustes Mitglied in meinem palliativen Kompetenzteam!

Seit vier Wochen lebt Elvis jetzt mit mir und meinem Mann und hat mein Leben ganz schön durcheinandergewirbelt und es war nicht immer die reine Freude, aber notwendig. Er erfüllt seien Aufgabe sehr gewissenhaft.

In der ersten Woche bin ich zunächst an meine körperlichen Grenzen gestoßen. Ich gefühlt neunzigjährige wurde gezwungen einen Welpe 10 Mal am Tag drei Stockwerke Altbau hoch und runter zu tragen, wo ich mich selbst kaum dreimal am Tag die Treppe hoch kriege. Dem nicht genug. So richtig klar war mir wohl vorher nicht, was es bedeutet einen  Welpen wirklich 90 % des Tages durch die Gegend zu schleppen, in die U-Bahn rein und wieder raus, ins Büro und und und. Das war ein Bootcamp für mich, ein heftiges Workout den ganzen Tag, dass mich oft an meine Grenzen gebracht hat. Da stand ich dann schnaufend auf der Straße und dachte, keinen Meter mehr…..

In der zweiten Woche hat Elvis seine anfängliche Schüchternheit verloren, sich anscheinend sehr wohl gefühlt und sich gedacht, hier will ich Chef sein! Es folgte eine Woche der Dispute, da wir unterschiedlicher Meinung  waren, wie mit gefunden Schokocroissants auf der Straße, dem Anfressen von Kabeln und Fußleisten, der Dauer, bis das Futter endlich im Napf landet und vieles mehr umzugehen sei.

Das liebe Hündchen, dass mir Freund und Begleiter werden sollte, verwandelte sich in ein kleines knurrendes, zähnefletschendes nach mir schnappendes Mist-Wollknäuel.  So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Mitte der zweiten Woche habe ich wirklich gezweifelt, ob das nicht eine selten dumme Idee war, mir in meinem körperlich und psychisch sicher leicht labilen Zustand einen Welpen anzuschaffen. Aber was tun?

Zum Glück war ich vom ersten Tag  in der Hundeschule angemeldet. Nach ein paar Tipps durch das Training und dem Besuch der Sprechstunde, blutenden und zerbissenen Händen (Oh ja!) haben Elvis und ich schließlich in der dritten Woche zueinander gefunden. Es gibt immer noch eine Menge Dispute, aber von meiner Seite mehr Gelassenheit und Durchsetzungsfähigkeit. Erleichterung, dass es anderen auch nicht besser geht und Freude darüber, dass Elvis schon nach drei Wochen viel toller ist als alle anderen Hunde auf der Welt ist (selbstverständlich). 😉

Er trainiert mich tatsächlich sehr, ich kann meiner Müdigkeit jetzt nicht einfach mehr nachgeben, ich muss… Und er beschäftigt mich sehr, er ist immer bei mir, den ganzen Tag. Wenn ich auf die Bahn warte, grüble ich nicht, sondern spiele mit Elvis, wenn ich unterwegs bin, grüble ich nicht, sondern übe mit Elvis. Er ist nicht nur Ablenkung, er ist etwas, dass mich jetzt ausfüllen kann, ohne das es auf die Zukunft gerichtet ist.

Ich glaub doch das wird gut.

Achtung: Nachtrag vom 28. August

Hier kommt ein Nachtrag, der Beitrag sollte eigentlich vor dem Kaffeeklatsch

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veröffentlicht sein, ich dachte auch er wärs, aber ich habe ihn als neue Seite statt als neuen Beitrag erstellt. Auf diesen Artikel bezieht sich auch der erste Absatz von „Kaffeklatsch“. Deshalb, also wenn schondennschon ich mich selbst kritisiere, sollte ich eben den Anlaß öffentlich machen.

 

Hochzeiten und Beerdigungen

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Das sind die Impressionen von meinem Allgäu – Urlaub. Wunderschön dort! Die Berge haben mich ein bisschen auf Trab gebracht, ich war tatsächlich wandern, obwohl ich es mir vorher nicht zugetraut hätte. Durch die neuen Medikamente bin ich diesen Sommer nicht 40 sondern 90 geworden. Meine Knie sind schon voller Schrammen, weil ich mich andauern wegen mangelnder Körperspannung  und -kraft hinlege. Ich kann inzwischen ziemlich souverän auf den Bürgersteigen der Innenstadt mit blutenden Knien sitzen und gemütlich warten, bis mich ein Pflaster und eine helfende Hand erreicht 😉

Am Ende des Urlaubs fand dort die Hochzeit meines Cousins statt, so dass im Laufe des Urlaubs immer mehr Verwandschaft angereist ist. Ein Urlaub mit Familientreffen hat was!

Die Hochzeit war wirklich sehr gut überlegt und sorgfältig geplant. Gefeiert wurde ein ganzes Wochenende in einem Berghotel mit großer Terasse, jede Menge Kuchen und Braten, Reden und Singeinlagen, persönliche Geschenke, ausgelassene Tänze, kleine Gast-Beschäftigungs-Dinge. Schöne Braut und schöner Bräutigam, die zwei Tage der Welt mitteilten, das jetzt die neue gemeinsame Zukunft beginnt, eine glückliche Zeit mit Kindern, die kommen werden und vielen Abenteuern, die sie erwarten. Und es gab viele andere glückliche Familien, die auch alle gerade erst geheiratet und Kinder bekommen haben, Babys ohne Zahl und stillende Mütter und (noch) smarte Väter :-).

Und ich war schon ganz zufrieden mit mir, dass ich das ganze geballte Glück niemandem geneidet habe und allen das Beste gewünscht habe. Oder ist allein der Gedanke an sich schon entweder a) großkotzig oder b) doch nicht so großzügig, wie ich es sein möchte? Ach, es ist schwer ein guter Mensch zu sein…

Jetzt gibt es aber etwas was mich irritiert und nicht so richtig aus dem Kopf will, ich drehe und wende es:

Bei der Beerdigung meiner Kollegin vor meinem Urlaub, da wurde ich von vielen mitfühlend angesprochen, viele Kollegin legten mir beruhigend ihre Hand auf die Schulter und sagten mir: „Das muss für Sie ganz besonders schwer sein…“

Also ja, es war ganz besonders schwer. Während der Beerdigung musste ich mir mehrmals sagen, das hier ist nicht meine Beerdigung. Es war, als wäre sie mir vorausgegangen. Nur, ich wusste nicht, dass das auch alle anderen so empfanden. Und ich wollte es eigentlich auch nicht hören, denn ich wollte an diesem Tag Sabine die Ehre erweisen, es zumindestens versuchen. Es kam mir ganz unangemessen vor, dass dabei irgendjemand an mich denkt. Es war Sabines Beerdigung.

Und bei der Hochzeit hat mich niemand angesprochen, in zwei Tagen fiel keine Andeutung und kein Wort darüber. Dass ich totkrank bin, das wir vor ziemlich genau einem Jahr genauso vorne standen, nur schon wussten, das wahrscheinlich keine gemeinsame Zukunft auf uns wartet.

Ich denke auch nicht, das an Krebs Sterbende ein abendfüllendes Thema auf einer Hochzeit sein sollte, aber meine ganze Familie war doch zwei Tage mit mir da. Wenn ich nach Indien ausgewandert wäre, dann hätte mich doch alle gefragt, wie es ist und wie es mir geht. Wenn ich ein Baby bekommen hätte, mit einem Song berühmt geworden wäre, mir ein neus Auto gekauft hätte oder irgendetwas mein ganzes Leben bewegendes geschehen wäre, hätte da nicht irgendjemand gefragt? Haben sie gar nicht daran gedacht, oder sich nicht getraut oder gehört es sich nicht auf einer Hochzeit darüber zu sprechen? Ich weiß es nicht.

Und da gab es den Moment, ich hatte die Person lange nicht gesehen,  aber mehrmals Briefkontakt nach meiner Diagnose gehabt. Ich wollte mich dafür bedanken, sie sagt ja, schon gut und dreht sich weg, geht. Ich konnte gar nicht aussprechen.

Mir kam es vor, als wäre es verboten darüber zu sprechen. Jedenfalls gab es da keine Hand auf meiner Schulter oder der meines Mannes, die fragte: Ist dies hier eigentlich schwer für euch?

Ein bisschen, aber nicht so sehr,  aber danke für das Interesse und die Rücksicht und die Anerkennung unserer schwierigen Situation und das Wohlwollen.

Bähhh, Zunge rausstreck, leckt mich doch

P.S Morgen kommt Elvis!!!!!!!!!!!   🙂  🙂 🙂 🙂

 

Kaffeeklatsch mit Sterbenden

Es gab viel zu tun in den letzten Wochen, ein Welpe ist bei mir eingezogen, aber dazu in ein paar Tagen mehr 😉

Die Gedanken meines letzten Beitrages sind mir noch nach gegangen, ich habe überlegt, ob ich den Eintrag umschreiben soll oder nicht, aber ich lass es so stehen. Ist er wahrscheinlich ungerecht den Anderen gegenüber, mit einer Prise Selbstmitleid (Mimimimimi) und Selbstgerechtigkeit? Ja, na klar 🙂 Aber es ist die damalige Momentaufnahme und so kann ich eben auch schon mal sein und so kann ich eben auch schon mal empfinden.

Die Passagen, dass es schwierig ist, ein guter Mensch zu sein, meine ich aber nicht anklagend, sondern genauso wie sie da stehen. Es ist schwierig, anderen zu gönnen, andere zu lassen, Anteilnahme zu zeigen, wenn man vielleicht selbst auch ein Päckchen zu tragen hat. Ich habe mir schon vor der Erkrankung darüber Gedanken gemacht, aber jetzt werde ich eben besonders herausgefordert. In den letzten Wochen wurden gerade in meiner größeren Familie häufiger  Zukunftspläne geschmiedet, eine Familie zu gründen, zu heiraten, berufliche Wege zu planen. Und es fällt mir schon schwer zuzuhören und mich ganz vollkommen für den anderen zu freuen. Bis zu einem gewissen Punkt geht das noch gut, aber dann möchte ich es eigentlich nicht mehr hören, wie andere sich rosig ihre Zukunft ausmalen. Ich bleibe natürlich, ich höre zu, ich lächle, ich frage nach… Ausgeschlossen sein, das will ich ja auch nicht. Das alle verstummen, wenn man den Raum betritt, das die anderen das Gefühl haben nicht mehr frei reden zu können, wenn ich da bin, das geht auch nicht.

Es ist also ein Dilemma, manchmal ein verdammter Drahtseilakt die eigenen Gefühle auszutarieren und im Gleichgewicht zu halten.

Deswegen, und jetzt kommen wir auf den Titel zu sprechen, habe ich mir etwas überlegt 🙂

Ich werde ja auf eigenen Wunsch nicht von einem Psychoonkologen begleitet und ich habe keine Lust auf Selbsthilfegruppen in Kirchenkellern bei einer Tasse Tee die Tränen der anderen zu trocknen. Aber ich würde mich schon gerne mal mit anderen austauschen, die ebenfalls in meiner Lebenssituation sind. Und mein Thema ist nicht der Krebs, sondern früh sterben zu müssen.

Kaffeeklatsch für Sterbende

Hattest du eigentlich etwas anderes vor? Haus bauen, Kinder kriegen, Karriere machen, die Welt entdecken? Und dann die Diagnose einer lebensbegrenzenden Krankheit, Therapie: Palliativ!

Jetzt bleibt nur noch ein bisschen Zeit, ein paar Monate oder Jahre, aber keine Zukunft. 

Wie die noch verbleibende Zeit mit wenig Angst und viel Lebensfreude gestalten? Was verändert sich in den Beziehungen zu nahe stehenden Menschen ? Was ist jetzt noch wichtig und was nicht mehr? Diese Fragen beschäftigen mich und ich habe Lust mich mit anderen Betroffenen aus der Lebensmitte (ca. 30 bis 50 Jahre) darüber auszutauschen. 

Dies ist kein psychologisch begleitetes Angebot, nicht so richtig eine Selbsthilfegruppe, sondern ein Kaffeeklatsch mit Kaffee und Kuchen und einfach frei über Themen sprechen können, die manche scheuen.

So. Das ist der Text, mit dem ich kommende Woche beim Selbsthilfeservicebüro in unserer Stadt auflaufen will. Mal sehen, ob die mich in ihren Katalog aufnehmen. Klingt das ein bisschen wie aus dem Gaga-Land? Ich weiß nicht…

Noch ein paar Blitzlichter:

Im Augenblick geht es mir gut, wie seit der Diagnose nicht mehr. Im Moment ist in meinem Hirn tatsächlich nur Hirn. Keine Metastasen, keine Ödeme, kein Rest abgestorbenes Geweben, einfach nur Hirn und das spüre ich auch 🙂 Das Medikament schlägt an und hat deutlich weniger Nebenwirkungen als das davor und dank Welpe bin ich auch wieder ein bisschen in Bewegung gekommen und nicht mehr 90 sondern eher 70 Jahre alt 😉 Das bleibt nicht immer so, aber jetzt ist das so! Hurra

Ich habe im Sommer den Blog des leider bereits verstorbenen Dmitrij Panov „Sterben mit Swag“ gelesen.  Ich bin absolut vollkommen beeindruckt wie ein Mensch, und ein junger dazu, überhaupt mit so viel Würde und Mut sterben kann. Punkt.

Immer muss erst jemand meckern, bevor ich mich mal wieder dran setzte und einen Beitrag formuliere, den ich aber die ganze Zeit schon in meinem Kopf trage. Oder besser gesagt, eigentlich immer mehrere Beiträge, weil ich sie ja nicht einen nach dem anderen rechtzeitig zu Papier (oder zu Bildschirm) bringe. Danke dafür.

 

 

Kirchgeld

ekd Das steht auf dem Briefkopf des Kirchenamtes, dass mir freundlicherweise etwas von dem unrechtmäßig an sich gerissenem Geld zurückzahlt, da ich erst mitten im Jahr und nicht schon zu Beginn geheiratet habe.

Aber auf Anfang:

Der Steuerbescheid kam zurück und zu unserem Erstaunen mussten wir feststellen, dass ich jetzt doppelt so viel Kirchensteuer zahle wie zuvor, nämlich für meinen Mann mit. Der nicht getauft ist, nie einer Kirche angehörte und absolut ungläubig durch die Welt geht. Aber, so mussten wir lernen, in NRW sieht man uns 1. durch die Ehe als Solidargemeinschaft an und da vergelte ich eben Gottes Segen und den der Kirche für den ungläubigen Ehemann mit und 2. existieren für die evangelische Kirche in Deutschland keine ungetauften Menschen, sondern nur ausgetretene, die bloß Geld sparen wollen. Das die Kirche sich jetzt zurück holt. Von der Ehefrau. Von mir!

Ich bin evangelisch getauft, bin in einer Großfamilie mit einem Großvater, der evangelischer Pfarrer war, aufgewachsen und habe immer bei der evangelischen Kirche gearbeitet. Ich war Presbyterin und aktives Gemeindemitglied und jetzt, wo ich krank wurde und der bester Ehemann von allen mich unterstützt und mir ermöglicht so viel oder eben so wenig zu arbeiten, wie ich möchte, da will mir meine Kirche für ihn das Geld aus der Tasche ziehen. Kein Pfarrer hat sich bei mir blicken lassen, als ich krank geworden bin, aber die Hand aufhalten!

Natürlich können wir uns das Kirchgeld leisten. Wir waren vorher Doppelverdiener in Vollzeit und haben auch jetzt noch wirklich genug zum leben. Aber, ihr seht, ich war also beseelt von dem gerechten Zorn, worauf mein Mann sagte:“ Dann geh du doch zum Kirchamt und leg da Einspruch ein, du bist grad so schön in Stimmung“

Innerlich die Pumpgun geladen…

Der nächste Morgen – Fehler gemacht.

Das war der Morgen, an dem ich mit Kollegen wegen Sabine telefoniert habe. Danach habe ich mich ein wenig gesammelt, noch mal tief durchgeatmet, meine Pröddel zusammengepackt und bin raus.

Keine gute Idee

Im Kirchamt ruft die Rezeptionistin die Dame, die für das Kirchgeld zuständig ist, ich lade noch mal die Pumpgun durch. Ich will sie fertig machen, ich zieh die Krebskarte und die Presbyterkarte, ich klage an!!!

Da kommt die Dame ganz freundlich auf mich zu und bittet mich in ihr Büro und will mir das mit dem Kirchgeld noch mal erklären und ich setze an und sage: „Ich und mein Mann, wir haben letztes Jahr geheiratet und ein paar Tage später die Diagnose Krebs bekommen und …“,  und schon laufen mir die Tränen übers Gesicht und ich krieg kein Wort mehr raus. 😢

💀 ☠️😡😤

„Das tut mir so leid“, sagt die Dame, die ich fertig machen wollte, „und jetzt kam dann für Sie ganz überraschend, dass Sie auch noch so viel bezahlen müssen..“  Unfähig zu sprechen, kann ich nur nicken 😔.  Und sie erzählt weiter und der Kollege drückt mir noch sein Mitleid aus und ich ringe um Fassung, drei Leute um mich herum betüddeln mich ganz mitleidig und ich versuche noch mal anzusetzen: „Wissen Sie was wir für Unkosten und Belastungen haben…- Können Sie nicht beim Sozialamt Hilfe beantragen?- Mein Mann verdient genug“, versuche ich irgendwie noch richtig zu stellen, “ Ja, manche fallen einfach durch das soziale Netz!“   😲 NEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIN 😅

Ich bin fertig, ich kann nicht mehr, meine Kehle ist zu, meine doofen Augen laufen über, ich krieg kein Wort über die Lippen ohne Buhuhuhu Rotz und Wasser zu heulen, ich schaffs nicht, der Dame zu erklären, das es nicht ums Geld geht, ich will nur noch raus hier. ICH HABE TOTAL VERSAGT!

Mein Mann hat sich abends tot gelacht.

Wenn die auf den Steuerbescheid guckt und sieht was wir für ein Einkommen haben… Ich lasse mich da nie wieder blicken!

Abschied

wald

Meine Kollegin, die sich vor zwei Monaten wegen ihrer Krebserkrankung in die Rente verabschiedet hat, ist letzten Samstag verstorben.

Letzten Sommer ist sie mit mir und einer dritten Kollegin im Abstand von wenigen Wochen wegen Krebs krank geschrieben worden. Während es bei mir und der dritten Kollegin eine Erstdiagnose war, hat sich bei Sabine in der Wiedereingliederung herausgestellt, dass der Krebs, den sie ein Jahr so bekämpft hat, doch gestreut hat. Sie war also letzten Sommer so etwas wie eine Veteranin für uns beide und auch wenn ihre Art des Umgangs und der Bewältigung der Krankheit nicht meiner war, so war ich doch wegen ihr eines kleines bisschen weniger allein.

„5 Jahre“, hat ihr der Arzt noch vor zwei Monaten gesagt, jetzt ist sie tot. Ein Jahr nach der Diagnose. Für mich kam das alles jetzt sehr schnell und plötzlich. Auch wenn ich schon gehört hatte, dass das letzte Medikament wieder nicht anschlägt, dass die Ärzte sich noch beraten und ich schon vermutet habe, dass es jetzt verdammt eng wird für sie… Ich habe nicht gedacht, dass Sterben so schnell geht.

Wen ich an meinen Tod denke, dann bin ich traurig, ich trauere im Voraus um mich selbst. Aber ich denke auch:“Jetzt stirbst du nicht. Heute nicht und wahrscheinlich morgen auch nicht. “ Das passiert irgendwann mal, in Wochen oder Monaten oder Jahren, in der vernebelten Zukunft, die ja vielleicht auch ein paar Wunder parat hält…. Aber nicht jetzt!

Ich habe mit einer Kollegin telefoniert, die Sabine kurz vor ihrem Tod noch besucht hat. Obwohl ich vermied den Anschein zu erwecken, wusste diese Kollegin, dass ich wegen mir selbst anrufe. Sie sagt zu mir: Ich sage dir alles, was du von mir wissen möchtest ( und was du nicht wissen möchtest, das erzähle ich dir auch nicht). Sie wusste besser als ich selbst, dass ich anrufe um zu hören, wie man an Hirnmetastasen stirbt. Ob es schwer ist, ob es weh tut und warum man so schnell tot ist. So schnell ist man tot.

„Sie hat jetzt ihren Frieden“

Ich will meinen Frieden nicht haben. Die können ihren Frieden behalten. Da ist nichts Gutes dran, dass ein Mensch in der Mitte seines Lebens einfach ausgelöscht ist.

Für Sabine war jetzt Jetzt. Das wird es auch für mich irgendwann sein.

Aber nicht heute.

 

 

 

P.S. Heute brauchte ich etwas Helleres – unbedingt! Deswegen die Veränderungen am Blog…

Elvis

Elvis

Das ist Elvis und er wird in 9 Wochen bei mir einziehen! 🙂 🙂 🙂

Nie hätte ich gedacht, dass ich jemals einen Hund besitzen würde, der Gedanke war so abwegig. Und jetzt kommt Elvis und ich freue mich so sehr! Ich könnte den ganzen Tag durch die Gegend hüpfen und rufen: Wir bekommen ein Pudelchen!!! 🙂

Ja, Elvis Fidelio Bellagio, wie er mit vollem Namen heißt, ist ein kleiner Pudel. Auch wenn dann viele die Augen rollen und fragen: „Wolltest du dir nicht einen richtigen Hund kaufen?“.

Pudel sind sehr intelligent und einfühlsam, sie werden als Therapie – und Begleithund eingesetzt und das soll er ja auch für mich sein, ganz genau das. Und er ist noch nicht mal da, aber es wirkt schon! 🙂 Ich grinse den ganzen Tag. Die Aussicht auf eine so verantwortungsvolle und liebevolle Aufgabe gibt mir so einen Auftrieb, ich glaube zum ersten Mal ist der Krebs (zwischendurch) eine langweilige und unwichtige Nebensache geworden 🙂

Ich habe meine Eltern gefragt, ob sie bereit sind Elvis zu übernehmen, wenn ich sterbe. Pudel werden bis zu 17 Jahre alt, also hat er noch eine ganze Zeit länger vor sich als ich. Meine Eltern haben darüber nachgedacht und zugestimmt. Das ist jetzt gar nicht mal so selbstverständlich. Ich hatte vermutet, sie sagen so: Ja, na klar.. Ich dachte sie verdrängen. Aber sie haben sich hingesetzt und überlegt: Unsere Tochter hat Krebs und wird sterben. Jetzt kauft sie sich einen Hund. Der wird in absehbarer Zeit bei uns leben. Machen wir das?

Mein Mann kann sich nicht vorstellen alleine für den Hund zu sorgen, aber wahrscheinlich wird er sich so sehr in Elvis verlieben, dass er ihn dann nicht hergeben kann. Wer weiß.

Mein Mann hat darauf bestanden, dass Folgendes noch neben Elvis einen Blogeintrag bekommt und nicht völlig unter den Tisch fällt 🙂 :

Am Samstag hatten wir unseren ersten Hochzeitstag!

Letztes Jahr haben wir ein paar Tage nach unserer Hochzeit die Diagnose erhalten. Ich rechne nicht nach wann, denn ich will  keinen Jahrestag daraus machen. Die Prognose war extrem schlecht. Damals sagte mein Mann: “ Also ein Jahr muss ich aber mindestens verheiratet sein!“ Ein unwahrscheinliches Ziel. Jetzt wollen wir aber auch die Rosenhochzeit! 😉

Sommerpause

So, jetzt bin ich offiziell nicht mehr jung! Am Freitag bin ich vierzig geworden. Ich fand mich mit 39 auch nicht mehr wahnsinnig jung, aber die Ärzte im Krankenhaus wohl. Ich weiß nicht, wie oft ich zu hören gekriegt habe „Und noch so jung…“ Mal ganz abgesehen von meinen ganzen Leidensgenossen, unter denen kaum einer unter 70 ist 😉 Schauen wir mal, ob ich das jetzt noch zu Hören kriege. ich bin nicht sehr eitel was mein Alter angeht, aber ich muss zugeben, ähm, dieser Satz ging mir doch runter wie Öl. Das Drumherum (… bekommen Sie Krebs und müssen sterben 😦  habe ich nach einer Weile einfach ignoriert 😉 das hat wohl schon die Strategie ein bisschen Gaga gegriffen.

Ich habe mich entschieden, die Beförderung anzunehmen. Ich freue mich darauf! Egal wie lange, die nächste Zeit wird schön und bereichernd.

Es gibt noch einen weltenbewegenden Entschluss: Ich möchte einen Hund. Ich hatte noch nie einen Hund, es ist also durchaus eine Entscheidung, die mir ziemlich fern war. Ob es klappt, weiß ich auch noch nicht, da müssen Vermieter und Arbeitgeber noch ein Wörtchen mitreden, aber vielleicht schon bald…

Eine Weile habe ich den Gedanken in meinem Kopf herumkugeln lassen, von allen Seiten betrachtet, logistisch, ethisch, gefühlig, praktisch, pädagogisch und beschlossen, dass ein Hund meine psychoonkologische Betreuung sein soll. Er soll mein Begleit- und Therapiehund sein. Auf die Idee bin ich das erste Mal durch das Buch „Lebe!“ gekommen, indem eine wirklich junge Frau beschreibt, wie sie mit ihrem künftigen Krebstod umgeht. In Holland bekommen offenbar Palliativpatienten selbstverständlich einen Begleithund gestellt. Man kann sich denken, dass so ein Lebewesen wirklich große Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden haben kann.

Einen Hund zu halten war für mich ein wirklich abwegiger Gedanke, ich hätte nie vermutet, das in meinem Leben Raum dafür da ist. Aber ich mach mal.

Alm1q

Im Herbst geht also alles los, ein neuer Job, ein neues Leben mit Hund (hoffentlich) und bis dahin fahre ich ans Meer und in die Berge.

Schöne Ferien!