Wenn jeder deinen Namen kennt…

meine Bronchien waren zu, wie bei einer kommenden Erkältung. Die Erkältung kam bloß nicht. Montag nachmittags hatte ich mal Zeit und dachte, schau beim Arzt vorbei, ist irgendwie seltsam. Dachte meine Ärztin auch und legte direkt los: Blut, Urin, EKG, Röntgen.. Donnerstags sollte ich wiederkommen, mittwochmorgens rief sie mich an, wann ich kommen könnte…

Das war der Augenblick, in dem meine Welt gekippt ist. Das Klingeln so früh am Morgen, die Stimme: „Hier ist die Praxis“. Das war der Moment, indem ich nur noch Herzschlag war und Grauen und Verwirrtheit und Angst. Jetzt ist es schlimm, dachte ich.

„Guten Morgen Frau 5Phasen, gehen Sie ruhig direkt durch“ Montag wusste die Sprechstundenhilfe meinen Namen noch nicht, Montag musste ich noch warten. Ab jetzt muss ich nie wieder bei meiner Hausärztin warten und alle dort kennen meinen Namen.

Die Ambulanz im Krankenhaus begrüßt mich mit Namen, die Schwester auf Station, die Ärzte und die Apothekerin. Woher wissen die wer ich bin? Wahrscheinlich weil mein Altersunterschied zu den anderen Patienten rund 30 Jahre beträgt. Vielleicht weil ich schon mit den Zehenspitzen über dem Abgrund hänge. Vielleicht weil ich gerade erst geheiratet habe und die Story dadurch ein bisschen Soap-Opera-Glammer bekommt.

Es ist sehr gruselig, wenn man irgendwo hinkommt, erwartet anonym empfangen zu werden und man wird namentlich begrüßt. Es ist beängstigend, Gänsehauterzeugend, tränenbringend und fürchterlich. Ich bin etwas ganz Besonderes, mich muss man kennen! Ich bin die, um die es schlimm steht.

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