Zombie-Yoga

nennt der beste Ehemann von allen das, was ich seit zwei Wochen jeden Morgen für 10 Minuten im Wohnzimmer versuche. Ein Fuß vorne, einer hinten hebt sich mein Arm ruckweise schräg über meinen Kopf, begleitet von guturalen Lauten… Uuuuaaaahhhh

zombie_900Warum?

Damit ich aufwache!

Ich schlafe und schlafe und schlafe jetzt seit Wochen. Seitdem ich aus dem Urlaub wieder zurück bin, quäle ich mich durch meine Arbeit mit dem schlechten Gewissen, nicht annähernd zu genügen, immer mit laufender Nase und schweren Kopf, unterbrochen von einwöchigen Krankschreibungen wegen starker Erkältung, in denen ich dann nicht den halben, sondern den ganzen Tag schlafe.

In den letzten zwei Wochen bin ich meine Nasenspray-Sucht Herr geworden, aber nur weil mein Mann mir erzählt hat, man kann von zuviel Spray eine Stinke-Nase bekommen 😉

Wach werden…

Ich hatte vor zwei Wochen ein Gespräch mit meinen Vorgesetzten und seitdem geht es langsam bergauf. Ich habe Anfang Januar endlich meine Erwerbsminderungsrente beantragt und gleichzeitig „gebeichtet“ dass ich meine Stundenzahl bei weitem nicht halten kann. Arbeite ich drei Stunden vormittags, liege ich nachmittags 4 Stunden auf dem Sofa und schlafe komaartig. Ich wache auf und draußen ist es dunkel. Ich wollte heute doch noch etwas machen – der Tag ist weg… So geht es jetzt seit Wochen.

Meine Vorgesetzten waren sehr sehr liebevoll und entgegenkommend, ich kann es nicht anders sagen. Ich habe meine Wünsche geäußert, wie und was ich gerne in Zukunft arbeiten möchte und sie bemühen sich mir eine maßgeschneiderte Extrawurst zu braten.

Und seitdem ich nicht mehr diesen Druck habe, meine Stundenzahl unbedingt irgendwie erfüllen zu müssen, weil da einige Leute einfach beide Augen zudrücken, geht es mir auch besser. Jetzt kämpfe ich mich langsam wie ein Bergsteigern cm für cm dem Licht entgegen. Erst mal mit Yoga und Meditation, so ganz vorsichtig- aber ich bereite mich  mental darauf vor, es nochmal mit dem Laufen zu probieren- Oho!

Eigentlich ist das alles so lachhaft lächerlich – aus gesunden Augen betrachtet. In meinen Augen gewöhne ich mich widerwillig daran meine Ziele immer niedriger zu stecken, bis ich irgenwann kriechend eins erreichen kann. Ich weiß nicht, ich fühl mich etwas verloren. Ich weiß nicht in welche Richtung es geht, bekomme ich meinen Körper noch mal ein bisschen hoch oder ist das verlorene Liebesmüh? Also, ich versuche das jetzt.

Im Übrigen steht ja auch noch gar nicht fest, ob ich meine Rente wirklich bewilligt bekomme. Im letzten Befund hat mein Arzt auf der Rückseite im Fließtext schön reingeschrieben, dass ich gerade Urlaub auf Hawaii gemacht habe 🙂 Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich hilfreich war 😉 Ich nehme an, das war das, was er noch am ehesten erinnern konnte, nach ein paar Tagen, neben „Es läuft“ 🙂 ich warte jetzt, dass ich vom Amtsarzt einbrufen werde, um ihm das zu erklären 🙂

Beim letzten Besuch hatte ich Dr. Piep nochmal ausführlicher meine Einschränkungen dargelegt, warum weiß ich gar nicht so genau. Wahrscheinlich, weil er mich immer fragt, wie es mir geht. Mein Arzt schaute mich dann ganz nett an und antwortete vorsichtig : „Sie wissen ja, das Ihre Krankheit nicht heilbar ist…“ Das war ganz freundlich für: Sie leben, sie stehen und gehen und können sich noch selber waschen, sie können sehen und hören und schmecken – alles andere ist Luxus. Jahaaa, ich weiß. Ja, ich weiß.

7 Gedanken zu “Zombie-Yoga

  1. Ich möchte Dir gerne raten, mal ein wenig über das Fatigue Syndrom zu lesen. Das ist sehr weit verbreitet und damit habes sehr Viele zu kämpfen.Vielleicht kommst Du dann ein wenig besser damit klar 😉
    Beim Lesen nur ein wenig darauf achten, von wem die Seite ist. Oft wird da nämlich am Ende irgenwelcher Nahrungsergänzungsmittelkram verkauft. Diese Artikel kann man dann ansonsten auch komplett vergessen 😉
    LG
    Sue

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      1. Auch hier muss wohl jeder seinen eigenen Weg finden. Gegen die Anteile Fatigue, gibt es aber immerhin ein paar Empfehlungen.
        Ich bin der festen Überzeugung, dass ein solches doch sehr konkretes vor Augen führen der eigenen Existenz, im Inneren eines jedes Betroffenen, mehr verändert, als zunächst angenommen, als von außen sichtbar und auch als einem lieb wäre. Auch damit kann eine übermässige Müdikeit zu tun haben.

        LG
        Sue

        Gefällt mir

  2. Lisa

    Hallo Sue,

    was meinst Du mit „ein sehr konkretes vor Augen führen der eigenen
    Existenz kann im Inneren mehr verändern als angenommen“ ?
    Meinst Du damit dass vor Augen führen einer unheilbaren und
    tödlich verlaufenden Krebserkrankung, also dass das belastend
    ist für die Psyche und sich in physischer Müdigkeit in Form von
    Erschöpfung niederschlagen kann ?

    Könnte dann viell. die Lösung sein, sich die eigene Existenz und
    Endlichkeit nicht mehr vor Augen zu führen und sich abzulenken
    oder gleich ganz zu verdrängen so weit das halt möglich ist ?
    Es gibt ja auch ein „heilsames“ Verdrängen.

    Lieben Gruß

    Lisa

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