Achtung: Nachtrag vom 28. August

Hier kommt ein Nachtrag, der Beitrag sollte eigentlich vor dem Kaffeeklatsch

emoti

veröffentlicht sein, ich dachte auch er wärs, aber ich habe ihn als neue Seite statt als neuen Beitrag erstellt. Auf diesen Artikel bezieht sich auch der erste Absatz von „Kaffeklatsch“. Deshalb, also wenn schondennschon ich mich selbst kritisiere, sollte ich eben den Anlaß öffentlich machen.

 

Hochzeiten und Beerdigungen

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Das sind die Impressionen von meinem Allgäu – Urlaub. Wunderschön dort! Die Berge haben mich ein bisschen auf Trab gebracht, ich war tatsächlich wandern, obwohl ich es mir vorher nicht zugetraut hätte. Durch die neuen Medikamente bin ich diesen Sommer nicht 40 sondern 90 geworden. Meine Knie sind schon voller Schrammen, weil ich mich andauern wegen mangelnder Körperspannung  und -kraft hinlege. Ich kann inzwischen ziemlich souverän auf den Bürgersteigen der Innenstadt mit blutenden Knien sitzen und gemütlich warten, bis mich ein Pflaster und eine helfende Hand erreicht 😉

Am Ende des Urlaubs fand dort die Hochzeit meines Cousins statt, so dass im Laufe des Urlaubs immer mehr Verwandschaft angereist ist. Ein Urlaub mit Familientreffen hat was!

Die Hochzeit war wirklich sehr gut überlegt und sorgfältig geplant. Gefeiert wurde ein ganzes Wochenende in einem Berghotel mit großer Terasse, jede Menge Kuchen und Braten, Reden und Singeinlagen, persönliche Geschenke, ausgelassene Tänze, kleine Gast-Beschäftigungs-Dinge. Schöne Braut und schöner Bräutigam, die zwei Tage der Welt mitteilten, das jetzt die neue gemeinsame Zukunft beginnt, eine glückliche Zeit mit Kindern, die kommen werden und vielen Abenteuern, die sie erwarten. Und es gab viele andere glückliche Familien, die auch alle gerade erst geheiratet und Kinder bekommen haben, Babys ohne Zahl und stillende Mütter und (noch) smarte Väter :-).

Und ich war schon ganz zufrieden mit mir, dass ich das ganze geballte Glück niemandem geneidet habe und allen das Beste gewünscht habe. Oder ist allein der Gedanke an sich schon entweder a) großkotzig oder b) doch nicht so großzügig, wie ich es sein möchte? Ach, es ist schwer ein guter Mensch zu sein…

Jetzt gibt es aber etwas was mich irritiert und nicht so richtig aus dem Kopf will, ich drehe und wende es:

Bei der Beerdigung meiner Kollegin vor meinem Urlaub, da wurde ich von vielen mitfühlend angesprochen, viele Kollegin legten mir beruhigend ihre Hand auf die Schulter und sagten mir: „Das muss für Sie ganz besonders schwer sein…“

Also ja, es war ganz besonders schwer. Während der Beerdigung musste ich mir mehrmals sagen, das hier ist nicht meine Beerdigung. Es war, als wäre sie mir vorausgegangen. Nur, ich wusste nicht, dass das auch alle anderen so empfanden. Und ich wollte es eigentlich auch nicht hören, denn ich wollte an diesem Tag Sabine die Ehre erweisen, es zumindestens versuchen. Es kam mir ganz unangemessen vor, dass dabei irgendjemand an mich denkt. Es war Sabines Beerdigung.

Und bei der Hochzeit hat mich niemand angesprochen, in zwei Tagen fiel keine Andeutung und kein Wort darüber. Dass ich totkrank bin, das wir vor ziemlich genau einem Jahr genauso vorne standen, nur schon wussten, das wahrscheinlich keine gemeinsame Zukunft auf uns wartet.

Ich denke auch nicht, das an Krebs Sterbende ein abendfüllendes Thema auf einer Hochzeit sein sollte, aber meine ganze Familie war doch zwei Tage mit mir da. Wenn ich nach Indien ausgewandert wäre, dann hätte mich doch alle gefragt, wie es ist und wie es mir geht. Wenn ich ein Baby bekommen hätte, mit einem Song berühmt geworden wäre, mir ein neus Auto gekauft hätte oder irgendetwas mein ganzes Leben bewegendes geschehen wäre, hätte da nicht irgendjemand gefragt? Haben sie gar nicht daran gedacht, oder sich nicht getraut oder gehört es sich nicht auf einer Hochzeit darüber zu sprechen? Ich weiß es nicht.

Und da gab es den Moment, ich hatte die Person lange nicht gesehen,  aber mehrmals Briefkontakt nach meiner Diagnose gehabt. Ich wollte mich dafür bedanken, sie sagt ja, schon gut und dreht sich weg, geht. Ich konnte gar nicht aussprechen.

Mir kam es vor, als wäre es verboten darüber zu sprechen. Jedenfalls gab es da keine Hand auf meiner Schulter oder der meines Mannes, die fragte: Ist dies hier eigentlich schwer für euch?

Ein bisschen, aber nicht so sehr,  aber danke für das Interesse und die Rücksicht und die Anerkennung unserer schwierigen Situation und das Wohlwollen.

Bähhh, Zunge rausstreck, leckt mich doch

P.S Morgen kommt Elvis!!!!!!!!!!!   🙂  🙂 🙂 🙂

 

3 Gedanken zu “Achtung: Nachtrag vom 28. August

  1. Ich war im letzten Jahr auf einer Beerdigung einer Betroffenen. Wir kannten uns nicht persönlich, sondern nur vom Schreiben. Ihre Angehörigen wollten gerne dass ich komme und natürlich bin ich dem nachgegangen.
    Ich habe aber festgestellt, dass dies die letzte Beerdigung war, an welcher ich lebend teilgenommen habe.
    Ich kann das nicht. Mich zieht das, obwohl ich ja ein durchweg positiver Mensch bin, einfach unendlich in die Tiefe. Also habe ich entschlossen, das war die Letzte. Wer das nicht versteht . .. ist mir wurscht. Manchmal geht einfach der Selbstschutz vor. Nicht wirklich oft, aber eben manchmal und dann auch dringend. Beerdigungen sind für mich so ein Fall.
    Auch hier muss jeder seine eigene Art finden, mit etwas umzugehen und dann seine eigenen Entscheidungen fällen. Da gibt es kein falsch oder richtig.
    Genauso verhält sich das auch mit einer sonst wie gelagerten Festlichkeit, wie die Hochzeit Deines Cousins. Da musst Du einfach in Dich hineinfühlen und entscheiden, ob Du damit klar kommst, oder eben eher nicht.
    Am Ende hat das mit Anstand nichts zu tun und da muss man sich keinerlei Vorwürfe machen. Ich denke, das Schweigen zu Deinem Thema lag daran, dass alle das „Paar“ im Zentrum des Geschehens sehen wollten und keine eventuelle Beeinträchtigung der allgemeinen Stimmung riskieren wollten. Was ich auch verstehen kann 🙂 Am Ende ist das einfach ein scheiß Thema.

    LG
    Sue

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  2. Es ist die Angst. Sonst nichts. Angst vor dem eigenen Tod. Angst davor, sterblich zu sein. Und dann steht da mitten auf einer Hochzeit, wo man das Thema vom Ende des Lebens so wunderbar ausklammern kann, ein Mensch, der eben genau das zum Thema hat und für alle zum Thema machen würde, spräche man es an: das Ende des Lebens.

    Angst. Lass Dich davon nicht kirre machen. Aber noch viel wichtiger, sprich aus, was Du ausprechen willst und lass Dich von stockenden Atem (wie lautet eigentlich die Mehrzahl von Atem?) und weit aufgerissenen Augen nicht aufhalten. Es ist deren Angst.

    Genug der klugen Worte, ich will Elvis sehen, Fotos bitte!

    Mein Piesie ist hier zu sehen
    https://neuesvonaskan.wordpress.com/
    wobei er natürlich nicht Piesie heißt sondern Askan. Piesie ist sein Kosename. Von Piesiepuh.

    Und nun gehe ich schlafen, war noch mal mit den Füßen im Meer. Meer ist schön 😍

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  3. Judith

    Nicht Betroffene sind unsicher wie sie mit Krebskranken umgehen sollen und haben Angst was Falsches zu sagen, weil sie demjenigen nicht zu nahe treten wollen. Mir wäre es sehr unangenehm wenn ich gefragt werden würde ob es für mich nicht besonders schwer ist, denn was ändert das denn ? Es ändert leider nichts, außer dass man daran erinnert wird und es einem dann weh tut. Deshalb habe ich mir solche Gedanken schon länger abgewöhnt und konzentriere mich auf die Dinge die mir Lebensfreude geben und freue mich über das was alles noch gut ist, weil ich weiß, dass die Zeit kostbar ist und alles ganz schnell anders sein kann.
    Mach Dir nicht so viel Stress mit dem idealistischen Anspruch an Dich selbst ein guter Mensch sein zu wollen. Du bist niemandem etwas schuldig, außer Dir selbst und Du hast nur ein Leben und das auch noch mit sehr begrenzter Lebenszeit (im Vergleich mit Gesunden).
    Noch mehr als die Gesunden hast Du das Recht auch mal Fehler zu machen und das Recht auch mal egoistisch zu sein.
    PS: ich weiß nicht woher Dein Streben kommt ein guter Mensch zu sein, wie immer man das überhaupt definieren möchte, aber ich glaube nicht daran dass gute Menschen in den Himmel kommen (Zwinkersmiley ).

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