Immer nur jetzt?

Ich bin nicht so ein regelmäßiger Blogschreiber, vielleicht ändert sich das noch, aber ich bin schwer beschäftigt. Ich arbeite, mein Gehirn arbeitet, meine Gefühle arbeiten. Im Nachhinein sieht man immer klarer. Wie sehr ich die ersten Wochen unter Schock stand und nur versucht habe zu überleben, obwohl ich mir in der Situation selbst ganz ruhig vorkam. Tag und Nacht und jede Sekunde dachte ich immer nur KREBS! Ich wollte KREBS noch Milch KREBS kaufen, ich könnte doch KREBS mal….

Jetzt kommt KREBS nur noch alle paar Minuten, manchmal habe ich sogar 10 oder 20 Minuten bevor zum 1798 mal KREBS kommt. Seit zwei Monaten weiß ich, dass ich Krebs habe. Ich glaube mein Umfeld hat sich schneller daran gewöhnt als ich. Das mein Leben plötzlich begrenzt ist.

Jetzt fühlt es sich so an: Es lohnt sich nicht, jetzt noch etwas anzufangen.

Dabei habe ich im besten Fall, mit viel Glück und wenn alles fantastisch läuft, sogar noch ein paar Jahre! Ein paar Jahre…  minus 40 Jahre. Aber was macht man auch mit ein paar Jahren noch? Keine Kinder kriegen, kein Haus bauen, keine Karriere… Also, was soll ich denn jetzt mit den paar Jahren anfangen, so ohne Ziel, ohne Zukunft?

Einfach Sein?

 

Therapie: palliativ

Das habe ich gestern gelesen, als ich mit dem Arztbrief aus dem Krankenhaus zu meiner Hausärztin gegangen bin. Ich habe schon ein paar dieser Briefe in der Hand gehabt, aber bisher immer nur einen kurzen Blick auf die Liste der Tumore und Metastasen geworfen. Dann schnell den Brief wieder zugeklappt, so genau wollte ich das gar nicht wissen. Gestern war ich dann doch soweit mir die Liste anzusehen. Das Meiste wusste ich ja. Stadium 4, das wusste ich noch nicht, bisher nur den Satz „weit fortgeschritten“. Therapie: palliativ.

Ja. Ich wusste doch, dass es bei mir nicht um Heilung geht. Und trotzdem: palliativ, so schwarz auf weiß PALLIATIV! So, jetzt weißte Bescheid.

Ich möchte meine letzte Zeit nicht mit Angst und Depression verschwenden, zumal es Hoffnung gibt, dass meine letzte Zeit vielleicht gar nicht so kurz sein wird. Aber es wird wohl noch ein wenig dauern, bis ich die ultimative Gelassenheit erreicht habe.

Das wünsche ich mir so sehr: Akzeptanz, Gelassenheit, Ruhe, Ausgeglichenheit, Frieden. Und das werde ich auch sein. Bald.